Angst

Definition von Angst

Angst: mit Beklemmung, Bedrückung, Erregung einhergehender Gefühlszustand [angesichts einer Gefahr]; undeutliches Gefühl des Bedrohtseins

Duden | Angst | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft

Angst in seiner primitiven und ursprünglichen Form

Angst ist überlebenswichtig, warnt sie doch Mensch und Tier vor akuten, mitunter tödlichen Gefahren. Sie ist angeboren und evolutionär tief verankert, ein archaisches Erbe.“ . So archaisch wie sie ist, so einfach ist sie auch. Ist sie erst aktiviert versetzt sie den Menschen innerhalb kürzester Zeit in die Bereitschaft zu Flucht oder Kampf. Damit einher geht die Erhöhung des Puls, der Atemfrequenz und des Blutdrucks.

Dieser rasend schnelle, Angstmechanismus funktioniert – unter Teilnahme von Amygdala, Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse  – so impulsiv, dass für rationales Denken und abwägen keine Zeit bleibt. Dies war zu Urzeiten auch notwendig, da eine schnelle Reaktion auf eine Gefahr oft über Leben und Tod entschied.

Dies führt dazu, dass man folgende Arten der Gefahr zu unterschätzen neigt:

  • bekannte Gefahren (z.B. Autounfälle oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • „unsichtbare“ Gefahren (z.B. Radioaktivität, Bakterien, Cyberkriminalität)

Folgende Arten der Gefahr hingegen werden tendenziell von uns überbewertet:

  • unbekannte Gefahren (z.B. Corona-Pandemie)
  • Gefahren die auf Urängste zurückzuführen sind (z.B. wilde Tieren, Wasser (Ertrinken), Feuer (Verbrennen) oder große Höhen)

Angst in der modernen Zeit

Dieser auf urzeitliche Gefahren geprägte Mechanismus ist in der heutigen Zeit nur noch bedingt von Vorteil. Die Probleme denen wir uns stellen müssen sind komplexer und langfristiger geworden. Sie beziehen sich meist auf die fernere Zukunft, z.B.:

  • Angst vor Krankheit
  • Angst vor Krieg
  • Angst vor Altersarmut

Zusammenhang von Angst, Gefahr und Risiko

Speziell die beiden Begriffe Gefahr und Risiko werden oft synonym verwendet. Dies ist aber nicht korrekt.
Gefahr ist das Potential einer Sache die Gesundheit zu schädigen während das Risiko „eine Funktion der Wahrscheinlichkeit einer gesundheitsbeeinträchtigenden Wirkung und der Schwere dieser Wir­kung als Folge der Realisierung einer Gefahr.“ ist. Angst hingegen ist das Gefühl, das sich angesichts der Gefahr einstellt.

Oder einfacher

Ein Tiger ist eine Gefahr. Ist er aber in einen Käfig gesperrt, stellt er kein großes Risiko mehr dar.


Faktoren die vom Menschen zur Einschätzung eines Risikos herangezogen werden  

  • Wahlmöglichkeit
    Setzen wir uns dem Risiko freiwillig aus, oder wird es uns aufgezwungen? Beispiele: Rauchen und Passivrauchen.
  • Kontrollierbarkeit
    Können wir das Risiko eigeninitiativ minimieren oder eliminieren? Beispiel: die Geschwindigkeit beim Autofahren
  • Risiko-Nutzen-Verhältnis
    Überwiegen die Vorteile oder das Vergnügen dem Risiko? Beispiel: Paragliding
  • persönliche Betroffenheit
    Inwiefern betreffen mich spezifische Risiken überhaupt persönlich. Beispiel: Ebola-Epidemie in Afrika
  • Stärke der Auswirkung
    Wie gravierend ist die Auswirkung des Eintreten eines Risikos? Beispiel: Verlust von Kapital.
  • Vertrauen
    Wieviel Vertrauen setzt man in die verantwortlichen Institutionen?
  • Ursprung der Gefahr
    Ist das Problem menschengemacht oder natürlichen Ursprungs? Beispiele Mikroplastik und Erdbeben.
  • Akuter oder latenter Schadenseintritt
    Wie unmittelbar treten die Auswirkungen des Risikos ein? Beispiele: Rauchen und Arsenvergiftung.
  • Bekanntheit der Gefahr
    Wie bekannt ist die Gefahr? Beispiele: Cholera und SARS-CoV-2.

„Normale“ Angst vs. krankhafte Angst

Angst ist normal. Die Grenzen zu einer krankhaften Angst sind allerdings fließend. Folgende Anhaltspunkte geben Anlass zur Sorge, dass das eigene Angstempfinden krankhafte Züge angenommen hat, und man sich ärztlicher Hilfe anvertrauen sollte :

  • Mehr als die Hälfte der täglichen Gedanken haben mit Ängsten zu tun
  • Ängste schränken die Lebensqualität und Bewegungsfreiheit ein
  • Suizidgedanken aufgrund der Ängste
  • Bekämpfungsversuche der Ängste durch Alkohol, Drogen oder Medikamente
  • Das soziale Umfeld wird aufgrund der Ängste in Mitleidenschaft gezogen

Diagnostische Klassifikation der Angst

  • Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst, F41.0)
  • Phobische Störung (F40)
  • Agoraphobie (F40.0)
  • Soziale Phobien (F40.1)
  • Isolierte Phobie (F40.2)
  • Generalisierte Angststörung (F41.1)
  • Angst und depressive Störung gemischt (F41.2)
  • Gemischte Angststörungen (F41.3)
  • Anpassungsstörung (F43.2)
  • Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
  • Somatoforme autonome Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems (F45.30)
  • Ängstliche Persönlichkeitsstörung (F60.0)
  • Abhängige Persönlichkeitsstörung (F60.7)

Angst in den Medien

Corona-Pandemie, Klimawandel, Glyphosat, Mikroplastik, China greift nach der Weltherrschaft, Verbrecher, Mord und Totschlag – glaubt man den Medien befinden wir uns in einem andauernden Ausnahmezustand.


Nachweise

1.
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) & Bundesärztekamme (BÄK). Patienteninformation Angststörungen. (2019).
1.
Bekanntmachung der Kommission zur Umsetzung von Managementsystemen für Lebensmittelsicherheit unter Berücksichtigung von PRPs und auf die HACCP-Grundsätze gestützten Verfahren einschließlich Vereinfachung und Flexibilisierung bei der Umsetzung in bestimmten Lebensmittelunternehmen. (2016).

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